Harold Cohen, zu früh!

Harold Cohen

Unsere nächste Ausstellung ist Harold Cohen gewidmet (1. Mai 1928 – 27. April 2016). Bevor Cohen sich den Möglichkeiten des Computers zuwandte, hatte er eigentlich alles erreicht, was man sich als junger Maler in England nur wünschen konnte. Er nahm an den Biennalen in Paris und Tokyo teil, war zur Documenta 3 und 6 eingeladen, vertrat als einer von 5 Künstlern das Vereinigte Königreich auf der 33ten Biennale in Venedig, neben regelmäßigen internationalen Galerieausstellungen. Doch ein Lehrauftrag an der UC San Diego sollte alles neu ausrichten. Er erlernte zu programmieren und schon bald entstand daraus die Idee ein lernfähiges Programm zu entwickeln, welches “selbstständig” und kontinuierlich Kunst hervorbringt. Das war 1968 noch ein mühsamer Weg. Im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen, wie z.B. Frieder Nake, Manfred Mohr oder Vera Molnar, war es ihm nicht genug ein abstraktes Konzept zu definieren und mit einem Algorithmus zu variieren. Cohen wollte Zeichenstile und grundlegende Regeln des Zeichnens identifizieren und programmieren. Und er wollte die Realität wiedergeben. Ein Weg, den zu dieser Zeit kein anderer Künstler in diesem Genre einschlug. Anfang der 1970er Jahre begann er sich mit künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, der Anfang von Aaron, wie das “Künstlerprogramm” von nun an genannt wurde . Aaron sollte Kunst produzieren, selbst nach Cohens Tod, so erklärte er mir.

Als ich ihn 2003 in San Diego besuchte, er war nicht mehr nach UK zurückgekehrt und hatte auch in Kaifornien geheiratet, zeigt er mir sein Studio. Es bestand im wesentlichen aus einem leistungsfähigen Computer und einem hervorrganden Drucker. Die von Aaron erzeugten Blder zeigten abstrahierte, menschliche Figuren vor einer farbigen Vegitation mit Bäumen, Pflanzen und Blumen. Ich war gerade nach Berlin umgezogen und beschäftigte mich nun fast auschliesslich mit Digitaler Kunst. Die Bilder überzeugten mich nicht und so kam es auch nicht zu einer Zusammenarbeit. Ich wusste jedoch nicht, welch ein steiniger Weg hinter ihm lag und was Cohen geleistet hatte, um diese Bilder kreierende künstliche Intelligenz  zu schaffen.

Die zweite Begegnung war dann im Rahmen der Ausstellung von “Frieder Nake und Friends”, 2013, zu der er überraschenderweise abstrakte schwarz/weiß Zeichnungen beisteuerte. Die überraschten mich. Und dann entdeckte ich durch die Ausstellung “The Policeman’s Beard is Half Constructed” eine Werkphase von frühen Plotterzeichnungen der 198e0er Jahren, die mich begeisterten. Diese Arbeiten, die in Variationen auch in der Tate in London oder dem San Francisco MoMA gezeigt wurden, enstanden laut Cohen am Übergang zur figurativen Phase vor 1985.  Die Ausstellung im DAM zeigt eine Serie von Plotterzeichnungen von 1983. Näheres erfahren Sie im Buch “Aaron’s Code” von Pamela McCorduck von 1991.

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