FRIEDER NAKE

Frieder Nake, Hommage à Paul Klee, 1965, Siebdruck, 50 x 50 cm, 40 Exemplare
Frieder Nake, Fächerungen, 2015, Inkjet Print, 50 x 50 cm
Frieder Nake, 2005, Ausstellungsansicht

FRIEDER NAKE

Frieder Nake (*1938 in Stuttgart, lebt in Bremen) gilt als einer der Pioniere der Computerkunst. Als Student entwickelte er 1963 am Recheninstitut der Technischen Hochschule Stuttgart die Basis-Software für den Flachbett-Plotter Zuse Graphomat Z64, mit dem neben technischen Zeichnungen auch solche mit ästhetischem Anspruch entstanden, als Nake in der Folge die ersten Experimente algorithmischer Kunst unternahm. Als eine der ersten Ausstellungen digitaler Kunst weltweit präsentierte er bereits im November 1965 seine Arbeiten zusammen mit Georg Nees in der Galerie Wendelin Niedlich in Stuttgart. Die folgende Ausstellung 1966 im Deutschen Rechenzentrum Darmstadt fand bereits breite Resonanz in den Medien.

Nake erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen und reflektierte selbst, von der Informationsästhetik Max Benses beeinflusst, in zahlreichen Schriften über das computergenerierte Bild. Retrospektiv schreibt Nake in einem Aufsatz in Wolf Liesers Publikation „Digital Art – Neue Wege in der Kunst“ von 2010 über die frühe Computergrafik: „Was heute unter dem Wort ‘Computerkunst’ in großer Vielfalt und Zahl, in vielfachen Ereignissen und Formen alltäglich geworden ist, geht weit über jene zaghaften und einfachen Anfänge hinaus. Diese aber verlangten Mut, Kühnheit und hohes Spezialistenwissen neben Fantasie. Wir stellten uns gegen alles, was Kunst war. Wir waren Avantgarde. […] Es war Konzeptkunst in maschineller Ausführbarkeit.“

Konzeptuell spielt der Zufall eine große Rolle: So etwa bei Nakes früher Serie zufälliger Polygonzüge. Häufig nur aus einer Linie bestehend, die in einem vorprogrammiertem Winkel an zufälligen Zeitpunkten im Zeichenprozess abknickt, reduzieren sie die Grafik auf ihre ureigenen Elemente. Im Gegensatz zu heutigen Druckprozessen bleibt bei der Plotterzeichnung die Linie, die durch Auftreffen des Stiftes auf Papier entsteht, das Grundelement. Frieder Nakes meist asymmetrisch-spannungsvolle Kompositionen sind von der heutigen Vorstellung einer „cleanen“ Computer-Ästhetik weit entfernt. So sehen Details seiner Arbeiten, etwa Hommage à Paul Klee von 1965, mit ihrem Wechsel von parallelen und spitzwinkligen, sich überlagernden Linien aus wie von präziser, doch energischer Künstlerhand gezeichnet. Diese Arbeit zeigt auch Nakes Beschäftigung mit der Kunstgeschichte – sie referiert auf Klees Werk Hauptweg und Nebenwege von 1929. Statt das neue Medium zum Versuch einer Imitation der Kunstgeschichte zu nutzen, ist Nakes Komposition eine ganz eigene Interpretation des Zusammenspiels von Mikro- und Makrostruktur.

So überschneiden sich in der Frühform der Computergrafik Felder wie Mathematik, Technik, Ästhetik und Kunstgeschichte. Bis heute beschäftigt sich Nake mit Schnittfeldern der Disziplinen: Seit 1972 ist er als Professor für Grafische Datenverarbeitung und interaktive Systeme an der Universität Bremen tätig, wo er sich u.a. mit ökonomischer, politischer und wissenschaftstheoretischer Kritik der Informatik befasst. Seit 2005 lehrt er zudem Digitale Medien an der Hochschule für Künste Bremen. In der Kunsthalle Bremen sowie dem ZKM Karlsruhe war Nake 2004 und 2005 mit Einzelausstellungen vertreten und bis heute werden seine Werke in wichtigen internationalen Ausstellungen zur Computergrafik gezeigt.

geboren 1938 in Stuttgart
lebt und arbeitet in Bremen, Deutschland

Studium:
1958-1964 Studium der Mathematik, Technische Universität Stuttgart
Besuch von Max Benses Vorlesungen in Philosophie, Semiotik und Ästhetik
1959 Erste Beschäftigung mit Computer bei einem Praktikum bei IBM Deutschland, Computerzentrum in Böblingen
1963 Erste Computerzeichnugen an der TU Stuttgart mit dem ZUSE Graphomat Z 64. Nake entwickelt Software um den Graphomat mit dem SEL ER56 Computer zu verbinden
1965 Erste Ausstellung zu Computer Kunst in der Wendelin Niedlich Galerie in Stuttgart, zusammen mit Georg Nees
1967 Promotion zum Dr.rer.nat. in Wahrscheinlichkeitstheorie an der Uni Stuttgart
1968-1969 Postdoc an der University of Toronto, Kanada
Forschung in Computerkunst und Grafik

Lehre:
1970-1972 Assistenz Professor in Computer Science an der University of British Columbia, Vancouver, Kanada
1972-2004 Professor in Computer Science an der Universität Bremen
Forschung in den Bereichen Computergrafik, Digitale Medien, Computerkunst, interaktive Systeme, Semiotik, Mensch-Computer Beziehungen und Theorie der Computerwissenschaft.
1988-2014 Gastprofessuren:
Universität Wien, Österreich, 1988
Universität Oslo, Norwegen, 1995
University of Colorado in Boulder, USA, 1997/98
Northwest Institute of Mechanical and Electrical Engineering, Xian, Shaanxi, China 2000
University of Aarhus, Dänemark, 2000/02/04/05
International School of New Media in Lübeck, 2003/05/06/07
Universität Basel, Schweiz, 2007
Donau-Universität Krems, Österreich, 2007/09
University of Costa Rica, 2009
Tongji University Shanghai, China, 2011
seit 2005 Lehrauftrag Digitale Medien an der Universität Bremen

EINZELAUSSTELLUNGEN
2013
Licht ins Dunkel, 25 x 50 Jahre Computerkunst, HFK Bremen
No Message Whatsoever: Frieder Nake & Friends, DAM GALLERY Berlin
2005
compART, Algorithmus und Zufall, DAM GALLERY Berlin

GRUPPENAUSSTELLUNGEN
2016
CODE + POETRY, DAM Gallery Berlin, Deutschland
2015
AESTHETICA, DAM Gallery Berlin
2013
No Message Whatsoever: Frieder Nake & Friends, DAM GALLERY Berlin
Back to Back, DAM GALLERY Frankfurt
2012
Meine Wunderkammer, DAM GALLERY Berlin
Think Line 2, DAM GALLERY Berlin
2011
Drawing with Code: Works from the Anne and Michael Spalter Collection, DeCordova Sculpture Park and Museum, Lincoln, USA
2010
Think Line, DAM GALLERY Köln
Künstlerhaus Wien, Österreich
2009
Die Virtualität des Bildes. Frühe Computerkunst der Sammlung Clarissa, Sprengel Museum Hannover
2008
Zentrum Paul Klee, Bern, Schweiz
2007
Ex Machina – Frühe Computergrafik bis 1979, Kunsthalle Bremen
2006
Neue Tendenzen. Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
Anfänge der Computergraphik, Museum Abteiberg Mönchengladbach
2004
Die präzisen Vergnügen, Kunsthalle Bremen und ZKM Karlsruhe
Bitforms Gallery, New York, USA
1989
25 Jahre Computerkunst – Grafik, Animation und Technik, BMW Pavillon, München
1972
Computer Art, National Gallery of Modern Art, Neu Delhi, Indien
1970
Auf dem Wege zur Computerkunst, Brunswiker Pavillon Köln
Kunstverein München
Biennale Venedig
1969
Galerije Grada Zagreba, Zagreb, Kroatien
1968
Cybernetic Serendipity, Institute of Contemporary Arts, London, Großbritannien
Computer Graphic, Dum Umeni Mesta Brna (Februar)/ The Vysocina County Gallery in Jihlava (März)/ Oblastni galerie vytvarneho umení v Gottwaldove (April), Tschechische Republik
1967
studio f, Ulm
1965
Computer-Grafik Programme, Galerie Wendelin Niedlich, Stuttgart

AUSZEICHNUNGEN
1966
Gewinner des `computer art contest´ des US Magazines `Computers and Automation´ für „Komposition mit Quadraten“ (Verteilungen von elementaren Zeichen)
1997
Berninghausen-Preis für ausgezeichnete Lehre und ihre Innovation, Universität Bremen

PROJEKTE
1996-2001
Rekonstruktion historischer Gebäude für das Stadtmuseum Delmenhorst und das Niedersächsische Landesmuseum Hannover mit der Projektgruppe viDeMus
seit 1999
Start des Projekts „compArt: ein Raum für die Computerkunst (mit Susanne Grabowski und Matthias Krauß)

PUBLIKATIONEN
Paragraphs on Computer Art, Past and Present. Frieder Nake, British Computer Society, 2010 Swinton, Großbritannien
Leslie Mezei. Frieder Nake und Peter Weibel, SpringerWienNewYork, 2005 New York, USA
Die erträgliche Leichtigkeit der Zeichen. Ästhetik, Semiotik, Informatik. Agis, Baden-Baden 1994
Die präzisen Vergnügen. Frieder Nake und Diethelm Stoller, Sautter & Lackmann, 1993
Sichtweisen der Informatik. Frieder Nake u.v.m. 1992
20 Jahre Computergrafik. Frieder Nake. In: Umbruch – Zeitschrift für Kultur: „Schnittstellen“, Hager, 1985 Frankfurt
Ästhetik als Informationsverarbeitung. Grundlagen und Anwendungen der Informatik im Bereich ästhetischer Produktion und Kritik. Frieder Nake, Springer Verlag, 1974 Wien/ New York
Art Ex Machina (Portfolio). Frieder Nake u.v.m., Gilles Gheerbrant, 1972 Montréal, Kanada
Graphic Languages und Azriel Rosenfeld, 1972
Erzeugung ästhetischer Objekte. Frieder Nake, in Rul Gunzenhäuser (Hrsg.), Nicht-numerische Informationsverarbeitung, Springer Verlag, 1968 Wien, Österreich
Kunst aus dem Computer (Exakte Ästhetik 5). Frieder Nake u.v.m., Nadolski, 1967 Stuttgart
futura 13. Computergrafik. Frieder Nake, Edition Hans-Jörg Mayer, 1966 Stuttgart
Herstellung von zeichnerischen Darstellungen, Tonfolgen und Texten mit elektronischen Rechenanlagen. Darmstadt 1966

CODE + POETRY, DAM GALLERY Berlin, 8. April – 4. Juni 2016
AESTHETICA, DAM GALLERY Berlin, 29. Mai – 1. August 2015
NO MESSAGE WHATSOEVER: FRIEDER NAKE & FRIENDS, DAM GALLERY Berlin, 16. November 2013 – 25. Januar 2014
BACK TO BACK, DAM GALLERY Frankfurt, 20. Februar – 4. Mai 2013
MEINE WUNDERKAMMER, DAM GALLERY Berlin, 1. Dezember 2012 – 13. Februar 2013
THINK LINE 2, DAM GALLERY Berlin, 19. Dezember 2011 – 21. Januar 2012
THINK LINE, DAM GALLERY Köln, 4. September – 6. November 2010
BEST OF DIGITAL ART, DAM GALLERY Berlin, 7. April – 23. Mai 2009
compART, ALGORITHMUS UND ZUFALL, DAM GALLERY Berlin, 26. November 2005 – 25. Januar 2006
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