BERLIN – NOT BY DEFAULT

Not By Default, Gruppenausstellung, 2012, Preview
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BERLIN – NOT BY DEFAULT | POST INTERNET ART AUS BERLIN

CONSTANT DULLAART

ANA GARCÍA-PINEDA

TOBIAS LEINGRUBER

JAAKKO PALLASVUO

NIKO PRINCEN

IGNACIO URIARTE

28. AUGUST – 22. SEPTEMBER 2012

Eröffnung: Sa 25. August 2012, 15 – 17 Uhr
anschließend ab 17 Uhr Sommerfest in der Galerie mit Grillen

Künstlergespräch während der Berlin Art Week:
Dienstag, 11. September, 19 Uhr
mit den beteiligten Künstlern und Gästen zum Thema: Post Internet Art
Moderation: Wolf Lieser

Für die Ausstellung NOT BY DEFAULT wurden junge Berliner Künstler eingeladen, die sich in erster Linie auf das Internet als Dreh- und Angelpunkt einer digitalen Kultur beziehen. Sie alle vertreten die Generation der ‚digital natives‘ und produzieren ihre Kunst im Kontext einer Online-Community, beziehen also ihre Inspirationsquellen als auch ihre Präsentationsplattformen fast ausschliesslich aus dem Netz. Der Begriff ‚Post Internet Art‘ wurde für diese Ausstellung gewählt, um eine neue Ära zu beschreiben, in der vor allem diejenigen, die mit dem Internet groß geworden sind, die Implikationen und Gepflogenheiten einer digitalen Kultur reflektieren und durch ungewöhnliche Anwendung des Gewöhnlichen – NOT BY DEFAULT – neue Sichtweisen aufzeigen. Diese Kunst äußert sich keineswegs in rein digitalen Formaten, sondern ist raumgreifend, haptisch, politisch, drängt heraus aus der Galerie, hinein in die Stadt, in die Gesellschaft.
Constant Dullaart zeigt seine Arbeit Hard Crystal Display, 2012, eine Serie von Monitoren kombiniert mit Formen aus geschliffenem Kristallglas, z. B. Fächern, wie man sie als Sammelobjekte findet. Auf den ersten Blick sieht die Arbeit aus wie ein 3D-Objekt oder ein Hologramm, aber bei genauerem Hinsehen lässt die Glasware, die einfach auf die heilige Oberfläche des Monitors aufgeklebt ist, das Bild aussehen wie nach einer Bearbeitung mit einem komplizierten digitalen Filter. Dullaart vergleicht die transformierende Qualität von Glas oder Linsen mit der transformierenden Qualität des Internets als ein Fenster.
In Dullaarts Video In Your Office, 2011, beobachtet man den Künstler dabei, wie er kontinuierlich 8 weiße, in einem Kreise auf dem Fußboden angeordnete Teller verschiebt. Das Video ist auf YouTube zu finden und jeder, der bereits einmal versucht hat, ein YouTube-Video zu laden, wird in der Performance sofort das Nachstellen des Ladesymbols bestehend aus einem weißen Kreis erkennen. Selbstreferentiell, trocken und mit ironischem Unterton ist In Your Office nicht nur ein Insider-Witz, sondern vermenschlicht das Interface durch die kleine Bricolage-artige Geste der Entfremdung. Für Dullaart ist diese Arbeit eine Hommage für all die Nutzer, die jeden Tag Inhalte für YouTube kreieren und online stellen. Aber sie ist ebenso ein Kommentar, um uns das selbstverständlich Gewordene unserer digitalen Gewohnheiten vor Augen zu führen.
Auch Jaakko Pallasvuo widmet sich formal gesehen der populistischen Ästhetik der Internet-Kultur. Seine YouTube-Videos verwehren sich einer herkömmlichen Kunstästhetik und propagieren vielmehr einen ‘schlechten Geschmack’. In Some Men Are Islands, 2012, bewegen sich Texte über die Screen, Überblendungen und Wischeffekte bestimmen den Schnitt, Filter rufen graphische Verzerrungen und wilde Musterbildung hervor. Die Zusammensetzung seiner Filme erfolgt bruchstückartig, es gibt weder eine narrative Struktur, noch eine Resolution, das Ende kommt abrupt.
In Pallasvuos Videos wird immer wieder die Sinnfrage künstlerischer Produktion behandelt. Von Selbstzweifeln über damit einhergehenden Ängsten bis hin zu erlebten Niederlagen seines Versuchs, als Künstler seinem Anspruch zu genügen, scheut er vor keiner Peinlichkeit zurück.
Ignacio Uriartes Werk hingegen hat erst einmal garnichts mit digitaler Kultur zu tun. Er hat eine ganz eigene künstlerische Sprache entwickelt und sein Handlungsspielfeld ziemlich genau eingegrenzt, indem er sich ausschließlich der Utensilien des gewöhnlichen Büroalltags als Ausdrucksmittel bedient. Uriarte macht Kunst aus A4 Blättern, Kugelschreibern, Excel-Dateien, Schreibtischen und Papierkörben – banale, aus dem Büro-Kontext entliehene Alltagsgegenstände, die er streng formal in Form diverser Materialstudien arrangiert. In dem Triptychon Diagonal Labyrinths, 2012 sehen wir über die drei Oberflächen verteilt zwei Dreiecke, ein rotes und ein schwarzes, die jeweils aus einer zusammenhängenden Linie in einer Excel-Datei gezeichnet sind, so dass ein labyrinthartiges Muster entsteht. In der Wandinstallation Copied document, 2010, sind etliche, leicht versetzte A4 Blätter in einer Diagonalen arrangiert. Darüber sagt der Künstler folgendes:
“Wenn man in der digitalen Welt mehrere Fenster öffnet oder ein Objekt vervielfältigt, werden die Fenster/Objekte leicht versetzt nach rechts unten so hintereinander arrangiert, dass der User alle gleichzeitig sehen kann. Die Installation versetzt das digitale Phänomen zurück in die physische Welt aus der es ursprünglich kam.”
Das Thema in Ana García-Pinedas Zeichnung Interpyramid, 2012 ist die Geschichte der Zivilisationen oder vielmehr die Art und Weise, wie diese in unserem kollektiven Gedächtnis fortleben. Für ihre Recherche benutzt sie die Google-Bildersuche und macht sich die unendlichen, absurden Verlinkungen zu eigen, die die Suchmaschine generiert. Die verschiedenen Zivilisationen werden in der Zeichnung in ironischer, geradezu comic-hafter Manier miteinander in Beziehung gesetzt, eine Figur verschlingt die andere oder versucht, an die Spitze der Pyramide zu gelangen. Dabei posieren die sympolhaften Charaktere für den Betrachter.
Tobias Leingruber führt mit seinem Projekt Social ID Bureau, 2012, erstmals Facebook-Ausweise für das ‘echte Leben’ ein und kommentiert so die beunruhigende Macht auf unsere Privatsphäre, die dem Social Network Giganten zu eigen ist. Während der Eröffnung wird der Künstler selbst das Ausstellen eines Ausweises anbieten, vorausgesetzt die interessierte Person ist bei Facebook registriert.
Niko Princen verbindet in seiner Online-Arbeit Stock Images die Daten diverser Aktienmärkte mit Bildern von Gesichtern, die über Suchresultate von Google zusammengestellt werden. Die Abstraktion der Börsenbewegungen bekommt somit wieder ein “Gesicht”, verweist darauf, dass jede Bewegung von Menschen gemacht ist und Menschen betrifft. In der Beliebigkeit der Auswahl der Gesichter spiegelt sich das Gefühl des Ausgeliefertsein der meisten Menschen gegenüber den Auswirkungen des Börsenhandels wider: es kann jeden treffen, selbst wenn er gar nicht in Börsengeschäfte involviert ist.